Sommerlager 1994 – Bodensee und Schwarzwald

Hajk am Bodensee
Hajk am Bodensee
 
Auf dem Bodensee
Auf dem Bodensee
Sonnenuntergang am Bodensee
Sonnenuntergang am Bodensee
Rheinfall bei Schaffhausen
Rheinfall bei Schaffhausen
Mittagessen auf dem Bundeslager
Mittagessen auf dem Bundeslager
Lagergeld auf dem Bundeslager
Lagergeld auf dem Bundeslager

Ein heißer Sommer in Süddeutschland

Das Sommerlager 1994 des Aufbaustammes Argonauten führte uns nach Konstanz... Diese Stadt liegt nicht nur am Bodensee, sondern auch zwischen den Ländern BRD, der Schweiz und Osterreich, was uns die Möglichkeit für interessante Aktivitäten auf dem Wasser und auch die Chance der Grenzübertretung zwecks Unternehmungen im europäischen Ausland gab.
Vom dortigen Bahnhof aus machten sich die "Zugfahrer" mit den zuvor verschickten Fahrrädern auf den Weg zum in der Nähe gelegenen Zeltplatz, auf dem sie bereits von ihrem Stammesführer und zwei weiteren Argonauten erwartet wurden. Im Anschluß ans Aufbauen der Zelte machte man sich mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut oder nutzte die freie Zeit, um einen Sprung ins kühle Naß zu wagen. (Ein mit dem Wasser verbundener Steg befand sich direkt am Zeltplatz.)
Direkt in der ersten Nacht ließ ein Gewitter mit beeindruckenden Lichtschauspielen und (...wie auf jedem Argonautenlager...) einem satten Regenfall unsere Zelte wanken. Trotz dieses schlechten Vorzeichens sollte dieses Lager jedoch einen erfreulichen Verlauf nehmen.
In den folgenden Tagen versüßte man sich die Zeit mit Segeln, Rudern, Schwimmen und dem einfachen Genuß der Sonne, die einem dort beinahe unablässig ins Gesicht schien. Außerdem wurde Konstanz eingehend von den Pfadfindern untersucht, das zwar eine Besichtigung wert ist, jedoch für herkömmliche Touristen weitaus interessanter schien, als für uns.
Später machten wir uns wieder einmal auf den Weg nach Konstanz, um an diesem Tag per Zug nach Osterreich zu gelangen und dort den 1064 Meter hohen Pfänder zu besteigen. Als wir keuchend dort oben angelangten, genossen wir für ein paar Augenblicke die überragende Aussicht und widmeten unsere Aufmerksamkeit sogleich einer eindrucksvollen Vogelschau, die ihr Geld wert war. Ein Falkner führte uns mit seinen dressierten Vögeln, Roter Milan, Wanderfalke... und sogar einem Geier einige Jagdsituationen dieser Tiere vor oder ließ sie einfach nur ihren imposanten Flugstil über dem ebenfalls anschaulichen Terrain ausführen. Auf der mehrstündigen Rückfahrt mit dem Schiff konnten wir uns gut von den Strapazen des Aufstiegs erholen.
Im übrigen besuchten wir in der folgenden Zeit einige Museen, in denen wir viel über die frühen Einwohner rund um den Bodensee erfahren konnten, die sich zunächst mit interessanten Pfahlbauten Siedlungen über dem Wasser erschufen.
Nach etwa einer Woche führten wir dann noch einen dreitägigen Hajk durch, der uns auf die andere Seite des Bodensees führte. Bei dieser Aktion hatten wir die Möglichkeit eine rekonstruierte Pfahlbautensiedlung zu besichtigen. Außerdem fanden wir sehr viel über die Nacktschnecke und ihren Lieblingsaufenthaltsort, bereits getragene Socken, heraus. Trotz einiger Zeckenbisse, die drei der Teilnehmer dazu zwangen, vorzeitig nach Konstanz zurückzukehren, war dieser Hajk einer der Höhepunkte unseres Sommerlagers. Einen weiteren Höhepunkt bildete übrigens die Versprechensfeier unserer "neuen" Pfadfinder, die einen Tag nach unserer Rückkehr, im Anschluß an die Ankunft der Wölflinge, durchgeführt wurde. Nach harter Probenarbeit wurden fünf Argonauten offiziell in den Stand der Pfadfinder gehoben. Zwecks dieser Feierlichkeit setzte man in dunkler Nacht mit dem Ruderboot auf die nahegelegene Insel über und überreichte den Pfadfindern bei Fackelschein ihre Versprechenshalstücher.
Sofort am nächsten Tag schwangen sich zwölf unserer Pfadis auf ihre Räder und fuhren in Richtung Bundeslager los, das ein gutes Stück von Konstanz entfernt (ca. 180 km) im Schwarzwald in der Nähe von Triberg stattfinden sollte. Diese anspruchsvolle Strecke, die größtenteils bergauf bezwungen werden mußte, war dann wohl doch ein wenig mehr als wir uns zugetraut hatten. Nach unserer ersten Übernachtung bei einer Burgruine waren fünf Radfahrer dazu gezwungen, mit dem Zug nach Konstanz zurückzufahren und später mit den Wölflingen auf demselben Wege das Bundeslager aufzusuchen. Nichtsdestotrotz fuhr der Rest der Truppe wacker weiter, was sie auch in die Schweiz brachte. Dort konnte man den Rheinfall, der alles andere als ein Reinfall war, besichtigen. An dieser Stelle, Europas größtem Wasserfall, ist der Rhein übrigens noch ganz klar, so daß man darin baden könnte ohne Angst vor Industrieabfällen oder sonstigen Abwässern haben zu müssen.
Man sollte noch erwähnen, daß für die Fahrt von Konstanz nach Triberg ca. vier Tage eingeplant waren. Obwohl die Fahrradfahrer am dritten Tag noch ein Schwimmbad aufsuchten, um für ein paar Stunden abzuspannen, kamen sie am selben Tag noch auf dem Zeltplatz des Bundeslagers an, natürlich gerade rechtzeitig, um die Zelte aufzubauen.
"Desch Dörfle" beschäftigte uns für eine Woche. Innerhalb dieser Zeit fand noch eine weitere Versprechensfeier unseres Stammes statt, die der Wölflinge. Des Nachts schritt unser schweigender Zug im Fackelschein durch den Schwarzwald und sechs Wölflinge leisteten feierlich ihr Wölflingsversprechen, worauf auch sie ihr eigenes Halstuch in Empfang nehmen durften.
Als es am 04.08. unser Zug im Kölner Hauptbahnhof einfuhr, nahmen die Eltern ihre Kinder aufatmend endlich wieder in die Arme. Ich denke sagen zu können, daß jeder Teilnehmer dieses Lagers, trotz der vielen Anstrengungen oder gerade auf Grund dieser, einige wertvolle Erfahrungen mit nach Hause tragen konnte.


Tom Heinen